Super Sulfur Sizilien

Unser Schlafplatz
Hund mit Flugohren

Wir meiden die Küste, denn dort ist mehr los. Also verbringen wir eine Nacht an einem Rastplatz im Wald, von welchem viele Wanderwege wegführen und kurz vor der kleinen Stadt Enna, die wir uns später ansehen wollen.

Ruinen im Wald

Das Landesinnere Siziliens ist wunderschön, jetzt im Winter sind die Hügel mit saftigem Gras überwachsen und zwischendurch erstrecken sich weiße und gelbe Blumenwiesen. Die Straßen sind holprig und haben Schlaglöcher, eine lustige Fahrt. Auch die schneebedeckten Berge sind zu erblicken. Verfallene Höfe und Häuser finden sich immer wieder inmitten der weitläufigen Natur.

Ruinen einer großen Anlage

In der Früh machen wir eine Rundwanderung im Park und kommen an einigen Ruinen vorbei. Plötzlich hören wir Hundegebell und Bähen, das Pfeifen eines Schäfers. Und da kommen bereits 6-7 große Hunde auf uns zu, sie sehen unsere Fraya und steuern sie an. Wir gehen weiter, doch einer der Hunde ist ungewöhnlich aggressiv und hat wohl auch vor Menschen keine Angst. Das Rudel wird dadurch ziemlich wild und Fraya und ich gehen schnell vor, während Gregor versucht sie zu verscheuchen. Der Schäfer pfeift von irgendwoher, aber bringen tut es gar nichts. Irgendwann lassen sie von uns ab, aber meine Güte, da hatte ich schon wieder Bammel.

Selbst ist die Bildung!

Knapp vor unserem Ende stoßen wir auf die Ruinen einer Abbauanlage von Sulfur oder Schwefel, welches wohl besonders in Sizilien abgebaut wurde und (so wird zumindest in einer wissenschaftlichen Arbeit behauptet) einen beträchtlichen Anteil zur industriellen Revolution beigetragen hat und mehr Erwähnung dafür verdient hätte. Mitte des 19. JH. kam Sizilien für 3/4 der weltweiten Sulfurproduktion auf. Bereits in der Antike wurde Schwefel in Sizilien abgebaut und die Sikaner und Sikeler haben es 900 v. Chr. schon nach Griechenland und Nordafrika exportiert. Das ist doch Mal Wahnsinn.

Sicily County’s Mine Cart Madness

Zu sehen sind die Calcaroni, die “Öfen” in großer runder Form ummantelt mit Steinen. Diese waren bereits eine Weiterentwicklung der ganz rudimentären Calcarelle, die aber das gleiche Prinzip benutzten (der Ertrag bei dieser Methode war bloße 6%). Das abgebaute Material wurde aufgeschichtet, welches das unreine Sulfur enthielt. Diese Haufen wurden verbrannt, das flüssige Sulfur ronn nach unten zu einer Art Auslass, wo es in pyramidförmigen Blöcken zu 75 kg gesammelt wurde und erhärtete. Der Prozess dauerte 20-30 Tage, barg viele Gesundheitsrisiken für die Arbeiter und war schädlich für die Umwelt (u.a. auch saurer Regen). Der Ertrag war um die 50%.

Von Wiki geklautes Bild eines Calcaroni-Ofen

Der Name “Schwefel” kommt übrigens von diesem Herstellungsprozess, bei dem durch “Schwelen” das bei geringer Temperatur schmelzende Sulfur vom restlichen Gestein gelöst wird.

Reste von Sulfur

Auf dem Grundstück stehen auch vier Türme, die das Material aus dem Boden brachten als auch zum Transitmittel der Arbeiter in den Bau dienten. Die Türme wurden nacheinander gebaut und jeweils der Neueste benutzt, während der älteste später nur noch zur Belüftungszwecken. Ab den 1890ern wurde die “Sizilianische Methode” langsam abgelöst. Bald darauf löste Amerika mit seinen einfacheren Abbaumethoden Sizilien vom Schwefelmarkt ab, und alles wurde hier eingestellt. Heute gibt es kein aktives Schwefelbergwerk mehr.
Das starke Vorkommen von Sulfur hat komischerweise nicht nur mit der vulkanischen Insel zu tun, sondern ist zusätzlich sedimentär viel vorhanden.

Eine zugeschütteter Turm

Man muss leider erwähnen, dass der Abbau des Gesteins durch niedrige und enge Tunnel ins Innere geschah. Dies hatte zur Folge, dass viele Jugendliche und Kinder einen harten Anteil der Arbeit für die florierende Schwefelproduktion Siziliens zu tragen hatten.

Spannender als erwartet ist dieses Schwefel-in-Sizilien-Thema.

Ruine im Wald

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