Syracuse & der Entschluss

Sobald wir den Ätna verlassen haben, strahlt uns wieder die Sonne entgegen.
Ich sehne mich nach einer Dusche. Unsere Route führt nach Syrakuse oder ital. Siracusa, wo ich einen Area Sosta für Camper herausgesucht habe, den einzigen mit guten Bewertungen.
Er befindet sich etwas außerhalb und wir kommen nachts an, die Tore sind zu. Wir sehen aber einen beleuchteten Camper drin stehen, also klingel ich ein paar Mal alle Knöpfe rauf und runter. Gerade als wir wieder fahren wollten, öffnen sich die Tore und ein Mann winkt uns hinein auf einen Platz.
Sobald wir geparkt sind, will ich wegen Check in und so fragen, aber er sagt nur “Domani, domani”, “Morgen”. Er will wohl auch zurück ins Bett.

Unterwegs nach Ortygia

Am nächsten Tag sehe ich erst, wie schön die Anlage ist, sauber und süß gemacht und nur wenige Camper finden hier Platz.
Der Besitzer hat sein Haus weiter hinten etwas abgetrennt und neben einer kleinen Koppel mit 4 Pferden, einen jungen French Bulldog und einen alten Chihuahua. Die jungen Hunde fangen sofort miteinander spielen an und das Gegrunze ist groß.

In der Stadt finden wir unzählige freie Parkplätze, es ist Sonntag. Wir spazieren herum und es ist wieder wie ausgestorben, nur wenige Spaziergänger und relativ viel Polizei ist unterwegs.

Wir passieren den “Brunnen von Arethusa”, etwas ganz besonderes: es ist eine Süßwasser-Quelle gleich neben dem Meer und darin wächst: Papyrus! Der Brunnen hat eine Geschichte, die auch von Ovid in seinen “Metamorphosen” erzählt wird (eine meiner liebsten Lektüren). Arethusa liebt die Jagd und den Sport und will sich in einem Fluss abkühlen. Alpheios sah sie und wollte sie nehmen, doch Arethusa floh Diana an, ihr zu helfen. Diese verwandelte sie darauf hin in eine unterirdische Quelle. Alpheios jedoch war nicht leicht zu beirren, er verwandelte sich in einen Fluss durch das Meer und vereinte sich in Ortygia mit der Arethusa-Quelle. Fies, eigentlich.

Arethusa-Quelle mit Papyrus, Wahrzeichen der Stadt

Wir sind etwas überrascht, dass wirklich gar nichts los ist und nur ein, zwei Bäckereien geöffnet sind. Als Gregor die Nachrichten checkt, verstehen wir wieso: Sizilien ist wieder rote Zone, sogar “verstärkte” rote Zone. Ach herrje.

Menschenleer

Wir stellen Überlegungen an und am Ende beschließen, dass wir Corona nicht länger entfliehen wollen. Die meisten Teile Italiens sind orange, wir glauben kaum, dass sich das so schnell ändern wird.

Eine Italienerin mit Hund kommt vorbei u. macht ein Foto. Ungläubig sagt sie: this place is usually full.of.people!”

Wenn keine Geschäfte offen haben, das sonst in Italien sich-auf-den-Straßen-abspielende Leben fehlt, man keine örtlichen Spezialitäten essen und Aperitivos unter lokalen Menschen schlürfen kann, ist ein großer Aspekt einer Reise einfach nicht möglich. Noch mehrere Wochen irgendwo in der Natur zu stehen, Löffel zu schnitzen und ungewaschen ein Loch zum Kacken in den frostigen Boden zu graben, davon haben wir auch genug (so oft haben wir das nicht gemacht, keine Sorge).

Leer …
Nochmal leer…
Beste Arancino bisher mit Melanzani und Pistazie

Außerdem lässt sich nicht länger leugnen, dass wir uns den Corona-Maßnahmen schon lange entzogen haben und das ist auch moralisch nicht mehr vertretbar für uns. Wir haben die jeweils geltenden Regeln immer respektiert und sind keine Risiken eingegangen, da wir uns ziemlich isoliert in der Natur oder an einem Fleck aufgehalten haben. Doch da nun das Reiseverbot auch in den gelben Zonen gilt, sehen wir kein legales Schlupfloch mehr. Die sich überall tummelnde Polizei ist genug Erinnerung an die schwierige Situation. Der Verlauf der Ausbreitung des Virus, dessen Mutation und Gespräche mit den sich im Lockdown-Befindlichen tragen zu unserer Entscheidung bei. Wir hatten bei unserer Abreise gehofft, in ein paar Monaten hätte sich alles gebessert. Dies ist nicht der Fall und wir kehren heim: zum Füße still halten.

So finster gucke ich beim Fahren

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