Ätna 14.-16.01.2021

Wir haben 3 Nächte am Fuße des Ätna verbracht. Zuerst hatten wir einen Platz südlich und konnten in der Nacht die rot glühenden Aschewolken aus dem Krater aufsteigen sehen. Wirklich unglaublich. (Tatsächlich haben wir wohl eine sehr aktive Nacht erwischt. Ein Video gibt es auf Youtube.)

Die glühenden Wolken des Ätna bei Nacht

Die Seilbahn ist nicht in Betrieb, d.h. mensch muss den Aufstieg selbst machen. Normalerweise wird die eine Strecke mit Unimogs bis zu den Kratern gefahren. Beides soll normal so ca. 60.- Euro kosten.
Als wir am Vortag nach einer geführten Tour hoch zum Krater fragen, bieten sie uns eine 5-stündige Tour bis 2.900m an, zusammen für 300.- Euro. Alles zu Fuß vom Refugio Sapienza. Wir überlegen, aber ich bin nicht so in der Stimmung, eine Riesentour zu machen für soviel Geld, außerdem habe ich Zweifel, dass Hündchen so lange durchhält, hpts. wegen dem Schnee.

Die Tour beginnt mit Sonnenschein

Wir machen uns also selber gut gepackt um 10.00 Uhr los. Das Auto parken wir unerlaubterweise beim Refugio Sapienzo, denn eigentlich ist dort eine “Zona Trafico Limitato” und Wohnmobile und Camper sind verboten. Aber wir sind ja auch ein Lieferwagen, und die Einzigen.

Langsam mehrt sich der Schnee zu unseren Seiten

Wir folgen der Straße und merken die Höhenmeter sofort. Langsam und stetig setzen wir Schritt für Schritt voran. Hündchen kann keine langen Pausen machen, sonst friert sie fürchterlich. Obwohl wir sie ganz schlimm gequält haben indem wir ihr die Adidas-Jacke angezogen haben. Bald sind ihre Radiergummis schon schwarz von der Asche.

Unter uns bietet sich ein wunderbarer Ausblick über Sizilien, mensch sieht die heute mit Wäldern überwachsenen Mini-Krater früherer Ausbrüche. Auch neben uns erheben sich die Krater.
Einige Leute der Seilbahn (Firma “Leitner”, hört sich ja österreichisch an) und der “Guarda di Finanza” (Was sind das eigentlich, Steuerfahnder? Wieso fahren sie mit Jeeps und Hunden in der Natur rum?) fahren mit ihren Jeeps an uns vorbei, aber ansonsten begegnen wir niemandem.

Wir setzen an der Bergstation den Weg Richtung “Torre de Filosofo” (2.900m) fort, aber nehmen die kurvenreiche Route. Wir sehen den “Cratere Piano del Lago” sich zu unserer Rechten erheben, der Blick auf den rauchenden Krater des Ätna (ich schätze es war der Südostkrater und Nordostkrater) liegt nun schön frei.

Von Schwarzem Schnee bedeckt

Der Weg ist jetzt von schwarzem Schnee gesäumt und ich sinke auch hin und wieder tief ein. Der kalte Wind pfeift uns um die Ohren. Wir sind relativ spät gestartet und etwas lahm unterwegs, wir sind auf ca. 2650 m Höhe, aber der Weg zu unserem Ziel ist noch lange und es ist bereits 12.30 Uhr. Hundi ist schon sichtlich erschöpft und sucht jede Gelegenheit, ihre Pfoten aus dem nassen, matschigen Boden zu retten.

Das sind keine Wolken dort hinten…

Der Krater dampft und raucht vor unseren Augen, ich kann sogar etwas rauchendes Geröll hinabrollen sehen. Dass wir so nah kommen, hätte ich mir nicht gedacht. Als wir uns umdrehen, sehen wir plötzlich eine große Wolkendecke, die den Vulkan unterhalb uns umkrochen hat. Wir beschließen besser umzukehren.

Hund protestiert, die Erste

Den Rückweg lassen wir uns Zeit, abwärts geht ja doch immer einfacher. Hund protestiert bereits, baut sich ein Nest im Lavageröll und steht erst nach heftigem Anfeuern wieder auf.

Hund protestiert, die Zweite

Als wir bei der Talstation ankommen, sind einige Touristen dort und machen Fotos. Vielleicht haben sie die einstündige Quad-Tour für 100.- Euro gemacht. Sie posieren zumindest fleißig auf den Monstergeräten.
Nach einem Cappuccino düsen wir mit Motorbremse und gefühlten 10 km/h im Nebel zu unserem Übernachtungsplatz etwas weiter östlich nahe dem “Valle del Bove”. Es soll zwar morgen schneien und regnen, aber vielleicht machen wir ja trotzdem einen kleinen Spaziergang.

Hund ist so alle, dass sie nicht mal ihren Dental-Stick frisst

Diesmal versteckt sich der Ätna in einer großen Nebeldecke und ist nur manchmal zu sehen. Von dieser Seite scheint es, als könnten wir einen größeren Bereich des Kraters sehen, denn man kann richtige Batzen emporfliegen und rot leuchtend über den Rand des Kraters rollen beobachten. Sogar im Auto können wir das stetige Grollen und Donnern des Vulkans hören. Gruselig und faszinierend zugleich.

Dramatische Aufnahme
Nächtlicher Besucher, der auf park4night bereits als Schuhdieb bekannt ist

VALLE DEL BOVE (TAL DES OCHSEN)

Wir beginnen den Tag mit den archaischen Notwendigkeiten: Essen machen und Feuerholz besorgen. Wir sind ja inzwischen mit zwei Äxten und einer Handsäge ausgestattet, also machen wir uns auf die Suche nach toten Bäumen und zerkleinern die für unseren Holzofen. Genau so habe ich mir das “Vanlife” vorgestellt. To live off nature… und ‘ne spritzig frische Cola zur Belohnung.

Wir stocken unser Brennholz mit toten Bäumen auf

Der angekündigte Regen fängt langsam an und ich habe Hummeln im Hintern. Also schleifen wir den Köter aus dem Bus, ziehen ihr den sehr-verhassten Regenmantel über und marschieren los zum Einstiegsort zum “Valle del Bove” am Südosthang des Ätna. Laut Wiki ein komplexer vulkanischer Kessel, der durch explosive Ausbrüche und Zusammenstürze über 10.000 Jahre hinweg gebildet wurde.

Der Weg beginnt angenehm flach und das Herbstlaub säumt die Wege unter den tropfenden Bäumen. Der Waldboden ist bereits überall Schwarz. Nicht nur das Hundchen ist von der gestrigen Anstrengung fertig, auch Gregor ist diesmal nicht besonders enthusiastisch.

Gregor protestiert, die Erste

Auf der Hälfte der Strecke finden wir einen Rastplatz, zu dem auch ein Kletterhang führt, denn wir können die Seilhaken in der Wand sehen. Wir sehen hinter den Bäumen auch unseren Bus hervorleuchten.

Wenn man da hineinzoomt, sieht man unseren Bus

Die Route zum Einstieg ins “Valle del Bove” dauert ca. 60 Minuten und ist stellenweise auch recht steil und am Ende ganz sandig, sodass wir ins Schwitzen kommen, trotz Schneeregen.

Hund hasst Regenmantel

Irgendwann kann ich ein Ende sehen und es geht hinab in den Kessel. Zuerst sehen wir gar nichts, nur eine Felswand zu unserer Rechten und eine zu unserer Linken. Diese, so stellen wir erst fest, nachdem wir sie passiert haben, sehen aus wie aufgetürmte Wellen und sind wirklich nur dünne, gerundete Wände. Mir ist rätselhaft, wie dies entstanden ist. Als wir länger hinabsehen und sich der Nebel oder die Wolkendecke manchmal lichtet, erkennen wir das Charakteristikum des Tals: der schwarze Lavafluss. Zuletzt hat der Ausbruch des Südostkraters am 10. Mai 2008 einen enormen Lavafluss über das Tal geschickt und dieser dauerte wohl noch am 25. Mai an.

Rechts von mir eine Wand

Ein paar Meter weiter am Abhang entlang führt uns der Weg durch einen Wald und wieder hinunter. Die orange-gelben Blätter auf dem schwarzen Sand zwischen den hohen, kargen Bäumen bieten uns ein prächtiges Farbenspiel.

Abstieg zum Valle del Bove

Der Abstieg geht schnell und endet vor einer schwarzen Wand.
Ich klettere die ersten Steine hinauf und bin sprachlos: Ich stehe auf den schwarzen Brocken erkalteter Lava, die sich übereinander türmen, eingefallen sind oder in Bahnen den Weg geformt haben. Der Nebel hängt immer noch dicht im Tal und wir können ca. 20 m weit sehen.

Und als ich auf die “Felsen” steige, breitet sich das Schwarz vor mir aus

Nach kurzer Diskussion gehen wir ein Stück weiter, der Weg ist eigentlich gar nicht zu erkennen. Wir benutzen nur maps.me und ich versuche, auf sandigem Weg zu bleiben. Einige “Felsen” sind nämlich gar nicht stabil und brechen unter mir ein. Man sieht auch immer wieder eingestürzte oder eingebrochene Hügel, also befinden sich unter dem Gestein tw. Hohlräume.

Faszinierende Formen aus vulkanischem Gestein

Wir halten uns rechts am Rande zum Abhang, wo die “normale” Vegetation ist, laufen aber auf der Vulkanmasse, wie auf maps.me angegeben. Der Schneeregen ist inzwischen zu einem leichten Schneesturm geworden, ich packe die Kamera weg, da ich nur noch Tropfen auf der Linse habe. Hund ist inzwischen ziemlich verunsichert und kämpft sichtlich mit der Temperatur und der Nässe. Eigentlich hatte ich Gregor dazu überredet, die lange Tour durch das Tal zurück zu machen, doch inzwischen brüllen wir uns durch das Schneegestöber nur an und als ich auf’s Handy gucke und sehe, dass wir von der einstündigen Strecke durch die Lava erst 10 Minuten geschafft haben, beschließen wir umzukehren.

Durch den Nebel können wir das Ausmaß der Fläche nicht erkennen

Wikipedia sagt: “Wegen der schlechten und teils fehlenden Markierung ist der Weg über die Serra besonders bei Nebel oder tief hängenden Wolken nicht empfehlenswert, schnell kann man die Orientierung verlieren und sich verlaufen.” Ja, das habe ich Gott-sei-Dank sogar vorher gelesen und als wir wieder im “sicheren” Wald sind, schnaufe ich auf. Hundchen’s Laune kann auch mit Stöckchen jagen wieder gehoben werden, und Gregor besänftige ich erst mal mit dem Versprechen auf eine schnelle warme Mahlzeit, Orecchiette mit Pesto und Caprese Mozzarella, die ich im Bus sofort zubereiten will.

Nur der Nebel begleitet uns zurück zum Bus

Zuhause am Bus angekommen, legen wir die Beine hoch und machen nichts mehr. Der Ätna ist diesmal total verhangen und wir hören auch nur selten das Grollen. Den nächsten Tag machen wir ganz gemütlich, hacken nochmal Holz, ich sammle ein bisschen Müll ein. Der Schnee rieselt den Wald schön zu und wir kommen endlich dazu unsere neuen Schneeketten auszuprobieren. Gregor macht die schnell ran und wir fahren genau 7 Minuten, bis die Straßen wieder frei und wir unter der Wolkendecke sind. Vom Schnee ins mediterrane Klima, so kommt es uns vor als wir das glitzernde Meer wieder sehen. Ätna im Winter, kam mir vor wie eine Antarktis-Expedition, naja mit Vulkan halt.
Nach einiger Recherche und nachdem die letzte Nacht kein Rot auf dem Vulkan zu sehen und kein Donnern mehr zu hören war, müssen wir die ersten zwei Nächte einen etwas aktiveren Ätna miterlebt haben. Wahnsinn.

Firstie: Schneeketten anlegen

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