Trulli

Die beiden Hunde hatten hier das Aufsehen

Nachdem ich in einem vorherigen Beitrag nicht näher auf die traditionellen Häuser Apuliens, nämlich Trulli (Singular Trullo), eingegangen bin, hier nur ein kurzer Nachtrag mit Fotos von verschiedenen Trulli, die wir hier gesehen haben.

Trulli sind Trockenmauergebäude, die wohl so ab dem 14.-16. Jh. als einfache Unterkünfte oder Lagerräume bei den Feldern gebaut wurden. Es wurde kein Mörtel verwendet, sondern einfach Steine (Kalkstein oder Tuffstein) aufeinandergestapelt. Die einfache Bauweise wurde auch mit einer finanziellen Raffinesse erklärt. Um Steuern zu umgehen, wurden die Steine nicht befestigt, damit das ganze Gebäude “schnell” ab- und wiederaufgebaut werden konnte. Später wurden Lecks und Undichtigkeiten jedoch schnell mal mit Zement oder Pflaster gestopft, was an vielen Stellen wirklich nicht schön aussieht. Aber wo gespart werden kann, da kann man auch sparen.

Hier sieht man gut, wie das Dach aufgebaut ist

Die Dächer sind spitz zulaufend und sind mit Geröll gefüllt. Die Außenseiten werden dann wieder in Reihen von Steinplatten gestaltet.

So sehen die meisten renovierten Trulli aus

Im Süden Italiens ist Wasser etwas rar und deshalb hatte ein Trullo auch eine unterirdische Zisterne. Die Steine, die bei der Aushöhlung der Zisterne hervorgegraben wurden, wurden eben für den Bau des Gemäuers benutzt. Auch heute noch werden die Bewohner von Trulli von Wasserlieferanten beliefert. Unsere Hosts machten es auch so, weshalb sie das Trinkwasser leider noch in Flaschen kaufen mussten.

Weiße Symbole auf den Dächern wurden manchmal erst später aufgemalt

Da wir hier eine derbe Landflucht erleben, werden hier Grundstücke mit Trulli verkauft wie blöde. Viele Familien sind im Besitz eines Feldes inkl. Trullo (meist eingefallen), leben aber in den Städten. Die können sich die Bewirtschaftung oder Pflege nicht leisten und wollen diese Grundstücke z.T. richtig günstig loswerden. Deshalb findet man hier viele “Aussteiger”, meist Pensionierte aus Ländern wie England, Deutschland, Belgien, Frankreich, … Es gibt eine richtige “Expat”-Community. Die Gebäude werden gekauft und schön gemacht, als Ferienhaus oder als Pensionssitz genutzt. Viele kaufen und richten die Trulli her um sie zu vermieten. Man findet alles, süße, schlicht eingerichtete Ferienhäuser aber immer mehr richtig posh und modern gestaltete Anwesen mit Pools.

Wie hier links haben Trulli auch einen Außen-Ofen

Es gibt Spezialisten für den Bau und die Renovierung von Trulli und nur diese darf man für die Arbeiten anheuern. Diese sind Künstler in ihrem Fach und die Spitzen der Dächer sind quasi die Signatur dieser Spezialisten und können sich deshalb unterscheiden.

Die Trulli, welche unsere Hosts hatten, sahen ursprünglich nur grau aus. Aber da sie an einigen Stellen mit hässlichem Zementmaterial gefixt wurden und dies nicht abzumachen war, haben sie sich entschieden, die Trulli teilweise weiß anzumalen (so wie sie in der Vorzeige-Stadt der Trulli Alberobello vorzufinden sind) und nur ein paar Steine als Highlight auszusparen. Im Inneren waren die Trulli mit weißem Pflaster überzogen worden, vielleicht weil dies später dann doch im Trend war zu dem nackten Stein, vielleicht auch um mehr Schutz zu haben. Ironischerweise verbrachten wir viele Stunden damit, den weißen Pflaster wieder abzunehmen, um wieder den nackten Stein hervorzuholen. Dies ist nämlich jetzt im Trend. Aus alt wurde neu und aus neu mach alt.

Bei unseren Spaziergängen konnten wir immer wieder in verlassene Trulli gucken, manche hatten noch viele Möbel und Gegenstände darin. Wir haben uns aus einem 2 Teller mitgenommen. Gegenstände, welche bereits mit einer Geschichte aufgeladen sind, nehme ich immer gerne in meinen Besitz, auch wenn ich die Geschichte nicht kenne. Aber der Gedanke, dass eine Familie diese Teller einmal benutzt hat und ihr Brot in diesem Trullo gebacken hat, das finde ich schon schön.
Bei den Preisen und der schönen Natur hab ich auch kurz davon geträumt, mein eigenes Trullo zu renovieren. Ein altes Gebäude neu zu gestalten hat doch etwas mehr Seele, als etwas von 0 aufzubauen.

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